Auf das Problem fokussieren! Entwickler als Teil der Produktentwicklung


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Neue Perspektiven, Out-of-the-box thinking, Motivation und Kontext sind Attribute innovativer Produktentwicklungen. Wie das zu erreichen ist, erläutert Ali Sharif von 25th-floor in seinem aktuellen Blog Beitrag.

Für einen Entwickler ist programmieren immer nur ein Teil der Reise. So könnten sie beispielsweise ausschließlich fürs Programmieren bezahlt werden, oder aber sie werden für die Entwicklung von Lösungen von ganz spezifischen Problemen bezahlt. Möglich wäre es aber auch, dass die Lösung für ein spezifisches Problem bereits von jemand anderem festgelegt wurde und man braucht sie, um diese Ideen umzusetzen und zu programmieren. Sämtliche Beispiele sind ganz übliche Situationen.

Egal, ob sie nun verantwortlich für die Entwicklung des Produkts oder Teil eines größeren Teams sind, das gemeinsam an einem Produkt arbeiten, schlussendlich geht es immer wieder nur darum, ein Produkt zu bauen. Am Ende des Tages ist das der Weg, wie sie oder das Unternehmen für das sie arbeiten, Geld verdient: ein Produkt liefern, das ein Bedürfnis erfüllt oder ein ausstehendes Problem löst.

Tatsächlich geht es aber nicht einmal nur um das Produkt. Es ist das Problem, das durch ein neues Produkt gelöst werden soll. Das ist nichts Neues und dennoch: Wenn ich sie fragen würde, wer für die Invention und Entwicklung des neuen Produktes verantwortlich ist, würde kaum jemand mit „der Entwickler“ antworten.

Bei einer Umfrage wären die Antworten wahrscheinlich „ein Product Manager“ oder „ein Projekt-Manager“, eventuell noch jemand von UX, aber höchstwahrscheinlich würde kaum jemand mit „der Entwickler“ antworten. Sie könnten durchaus Klischees hören wie “wenn ich nicht programmiere, bin ich nicht produktiv” oder “diese Entwickler sollten sich aufs Programmieren konzentrieren”.

Aber wäre es vor dem Programmieren oder vielleicht sogar vor dem Start eines neuen Projektes nicht interessant herauszufinden, welches Problem sie hier tatsächlich versuchen sollen zu lösen?

Wenn Sie diese grundlegende Frage stellen, dann macht das einen wesentlichen Unterschied.

Diese Perspektive ermöglicht Einblicke in ihre eigene Motivation und die ihrer Kunden. Genau wie bei einem richtig gut gelungenen Vortrag, klären sie die Frage nach dem Warum. Warum sollte das Publikum hier sitzen und meinem Vortrag zuhören? Die Antwort auf die Frage des Warums generiert Sinn, Kontext und ein absehbares Ergebnis.

Erst wenn sie das Problem – das sie lösen wollen – erkannt haben, sind sie in der Lage für „Out-of-the-box thinking“. Als Entwickler könnten sie beispielsweise gedanklich in einer Box gefangen sein, weil sie als Experte für eine spezifische Programmiersprache, für ein spezifisches Framework oder für Ihr Fachwissen in einem bestimmten technologischen Bereich angeheuert worden sind. Fokussierung und Kenntnis des Problems eröffnet neue Wege, das größere Ganze zu sehen. Natürlich ist so ein Zugang nicht für jedermann und manch Einer möchte auch nur auf einem niederschwelligen Niveau mit einem überschaubaren Problembereich arbeiten. Das ist auch legitim und völlig berechtigt.

Die Bereitschaft für den Blick aufs große Ganze könnte auch davon abhängig sein, auf welcher Stufe sie sich gerade auf ihrer „Reise“ befinden. Sie könnten für ein oder zwei Jahre programmiert haben und Ihr Fokus liegt daher eindeutig auf dem Erlernen Ihrer Domäne. Daher könnten sie nur daran interessiert sein, zu programmieren, egal, was Sie damit schlussendlich in dieser Phase ihrer Entwicklung bauen.

Aber Fortschritt kann eine sehr differenzierte Sache sein und kann vor allem auch für jeden sehr unterschiedliche Bedeutungen haben.

Wenn ich Entwickler sagen höre, dass “lernen die wichtigste Fähigkeit ist”, dann ist damit meist einfach „nur“ das Lernen neuer Frameworks oder technischer Details gemeint. Aber Lernen kann auch etwas Anderes – differenzierteres – sein.

Lernen könnte beispielsweise auch bedeuten, dass ich mehr über das Problem zum Produkt, für das ich gerade programmiere, lernen möchte. Lernen kann aber auch bedeuten, dass ich mich zu einem besseren Kommunikator entwickeln möchte.

Denken sie nur darüber nach, was passiert, wenn wir vor der Umsetzung jedes Implementierungsdetails einen Schritt zurück machen und fragen: “Was lösen wir eigentlich?“. Es eröffnet eine neue Art, Dinge zu sehen. Vielleicht ist der geplante Ansatz nicht die Antwort auf das Problem, und sie könnten Zeit damit verbringen, etwas zu programmieren, das wirklich wichtig ist.

Sobald sie das Problem verstehen, sind sie in einer guten Position, um die richtigen Fragen zu stellen.

Was ist interessanter als bereits vorgegebene Antworten zu haben? Fragen zu stellen! Es gibt kaum etwas Langweiligeres, als jemanden, der auf alle Fragen bereits eine Antwort hat. Es verhindert und nimmt die Möglichkeit, neue Wege zur Lösung eines Problems zu gehen und zu erforschen. So genannte Best Practices existieren, um den Status quo zu validieren – und das ist in bestimmten Situationen auch sehr hilfreich. Die wirklich interessanten Dinge passieren aber jenseits von Best-Practice-Beispielen oder sogenannten Expertenmeinungen.

Für einen Entwickler ist programmieren eben nur ein Teil der Reise.

 

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Medium veröffentlicht und für das 25th-floor Blog übersetzt